Mail an einen Freund zum Filmprojet. Er lehrt Philosophie in Kopenhagen

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Was gibt es bei Sören K an Empfehlungen, wie dem Schmerz zu begegnen ist. Soweit ich ihn, wenn auch nur ansatzweise, verstehe, wendet er alles zum Guten hin, soll heißen er zeigt sich wohl eher als Optimist als Pessimist. Für mein Projekt hat er auch einiges zu sagen, soweit es ihm nicht nur um Fragen des Verstandes und Vernunft geht, worin sich der Mensch alleine nicht auszeichnet, sondern er auch auf psychologische Fragen innerhalb seine Philosophie eingeht, weshalb er sowohl für die Existentialisten bis hin zum angeblichen Erfinder der Psychoanalyse Sigmund F so sehr von Interesse war. Selbstreflexion ist dabei auch ein Stichwort.

Nicht zuletzt auch durch mein Filmprojekt sehe ich mich mehr und mehr gezwungen auch über meine eigene Sozialisation nachzudenken und was daraus auch für meine eigene Beziehungsfähigkeit folgte. Jedenfalls waren meine Sozialisationsbedingungen nicht gerade dazu geeignet eine wie auch immer geartete gesunde Beziehungsfähigkeit zu erlangen.

Du nennst es richtig erkannt Kantische und Marxistische Einsichten, von denen ich mich für das Projekt leiten lassen will. Aber auch, wenn Du so willst, Sören K soweit es um existentielle Fragen geht und den Eingang in die Psyche. Deshalb geht es mir auch um die entwickelte Emotionalität, Emphatie- und Beziehungfähigkeit im Heim. Weder Empathie noch Beziehungsfähigkeit, sind, wie man in der Fachliteratur glauben macht, aus dem Kommunikations- und Interaktionsverhältnis zwischen Pädagogen und Kindern allein zu erklären, sondern strukturiert und entwickelt sich wesentlich auch über die materiellen Verhältnisse die Kinder und Pädagogen in ihrer jeweiligen Rolle im Heim wiederfinden. Die konkreten Umfeldbedingungen sind mithin ein wichtiger Einflussfaktor für den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen und mit ihrer Würde. Emotionalität, Empathie und Beziehungsfähigkeit vermittelt sich über die realen Beziehungen, die, entlang der jeweiligen konkreten Lebensbedingungen, zwischen den Menschen (Kinder und Pädagogen) eingegangen werden können und wollen. Sind die Verhältnisse unter denen beide Gruppen sich begegnen fremd und abstrakt, können persönliche Beziehungen auch nur dem entsprechend entstehen. Die Eigentumsverhältnisse und Verfügungsgewalten, gebunden an den Zweck der Einrichtung, strukturieren die Beziehungen zwischen den Kindern und den Pädagogen. Dies scheint eine gewagte These zu sein, dass die materiellen Umstände es sind, die einen direkten und mittelbaren Einfluss auf die Interaktion und Kommunikationsverhältnisse haben. Der Bedeutungsgehalt der vom Subjekt aus gelernt in die Gegenstände eingeht ist also abhängig von der jeweiligen Struktur des unmittelbaren Umfeldes, darin eingeschlossen sind wirklich nicht unwesentlich die Verfügungsgewalt und Eigentumsverhältnisse. Einerseits fließt hier die Kantsche, von ihm selbst so genannte, kopernikanische Wende ein, wenn er betont, dass in die sinnliche Wahrnehmung, mit meinen Worten, die gelernte Bedeutung des Gegenstandes eingeht, die wir ihm zumessen. Welche Bedeutung in die Wahrnehmung eingeht ist kulturell verschieden und abhängig von der jeweiligen Gesellschaftsformation in der jemand lebt und aufwächst. Das Heim ist ein kleiner in sich weitgehend geschlossener Mikrokosmos, soweit das Heim sich von der gesellschaftlich gewöhnlichen Sozialisationsinstanz unterscheidet.

Marxistisch bis hin zu Foucault soweit es sich um eine Kausalität der materiellen Umgebung handelt und die Zuschreibungen.

Konkret: Ein Heim zeichnet sich durch Funktionsräume aus, die ihrer Funktion gemäß genutzt werden. Dabei gibt es Funktionsräume, die die Kinder (in der Regel) nicht von innen kennen und schon gar nicht ihrer Funktion gemäß nutzen dürfen. Z.B. Die Großküche oder das Erzieherzimmer. Wie an anderer Stelle schon erwähnt ist das gesamte Mobiliar in fremdem Besitz und dabei so fremd wie das Personal. Das Personal gehört ihnen genauso wenig, wie das was sie umgibt. Anders bei den Eltern. Sie zeigen über ihre direkte Teilhabe am Leben der Kinder und der Teilhabe der Kinder an dem was sie umgibt ihre Verbundenheit und Solidarität. Dabei werden Lebenspraktiken des Alltags eingeübt, die der unmittelbaren Lebenserhaltung im gemeinsamen Interesse dienen. Dies kann mehr oder weniger gelingen, aber anders herum kann Verbundenheit und Solidarität im Heim so nicht hergestellt werden. Dort wo Elternschaft nicht so gelingt, können Bedingungen hergestellt werden, die es lernen lassen.

Mir hat jemand mal gesagt, das Ganze könne man doch einfach auf den Nenner fehlender Liebe im Heim bringen. Es gäbe aber auch Eltern, die nicht im Stande sind zu lieben. Z.B reiche Menschen, die sich nicht um ihre Kinder kümmern und die Kinder scheitern lassen. Darüber galt es für mich einen Moment nachzudenken. Ich entgegnete: Wenn die Eltern ihre Liebe versagten, so bleibt den Kindern die Teilhabe und Verfügungsgewalt an einem Teil des Vermögens, das das Leben sichern und Hürden überwinden hilft. Sie haben möglicherweise die Ressourcen Beziehungs- und Emphatieunfähigkeit kompensieren und das eher mit Konsequenzen für andere als sich selbst. Diese Kompensationsfähigkeit fehlt in aller Regel den Heimkindern. Das mag zynisch klingen. Jedoch Kinder deren Eltern sich nicht ums Kind kümmern, die über entsprechend Geld verfügen, landen in der Regel nicht im Heim. Deshalb möchte ich nicht leugnen, dass in jeder Schicht Kinder vernachlässigt werden. Die einen regeln das unter sich, die anderen sind mit dem Jugendamt konfrontiert.

Schwierig kann es werden, wenn die Interviewpartner, alles was sie erlebt haben, weitgehend nur dem Heimpersonal zuschreiben und strukturelle Fragen, besonders die von Besitzverhältnissen, von denen ich sage, dass sie einen großen Wirkungsfaktor darstellen, gar nicht ins Bewusstsein geraten. Selbst wenn, ist schwer auszumachen, wie sich die Verhältnisse auf die Psyche im weitesten Sinne auswirken können, hinsichtlich z.B. Empathie, Beziehungsfähigkeit, Verhältnis zum Geld und Eigentum, der emotionalen Beziehung zu Eigentumsverhältnissen, Vertrauen in sich und andere. Sicherlich wird über dererlei psychologische Fragestellungen pausenlos diskutiert und geschrieben, aber durchgängig die Umgangsform des Personals betont. in ihrer jeweiligen Rolle und Persönlichkeit gegenüber den Kindern als ursächlich für psychische Probleme identifiziert. Dass aber die Struktur, Verfügungsgewalt und die Besitzverhältnisse im Nahumfeld wesentlich die Sozialisation mitbestimmt und mit ihnen auch die Kommunikations- und Interaktionsverhältnisse, das ist und kann kaum im Bewusstsein. Warum auch, wenn die tatsächlichen Wirkungsverhältnisse auch nicht im Bewusstsein von Sozialarbeiter und Erzieher angelangt sind, weil bereits in der Ausbildung fast alles dem Interaktions- und Kommunikationsprozess anscheinend unterworfen ist. Mittlerweile hat man wenigstens erkannt, dass die Großküche problematisch ist, das Erzieherzimmer offen oder abgeschafft. Es gibt sogenannte Wohngruppen, in denen versucht wird ein ganz kleines Abbild der Realität zu zeichnen. Dem Grund nach bleibt alles den Regeln der Kammeralistik und den Rahmenbedingungen öffentlicher Ersatzerziehung untergeordnet.

Ich bin dabei darüber nachzudenken, wie und welche Fragen gilt es für mich zu stellen, um Antworten nicht ausschließlich entlang des Personals und deren Sanktionen zu erhalten.

Es könnten über Erzählungen aus dem Leben hinaus sein: „Wo war als Kind Dein zuhause“ „Welche Hürden mussten überwunden werden nach dem Heimaufenthalt“ „Hattest Du das Gefühl für die Welt draußen gewappnet gewesen zu sein“

Usw.

Fällt Dir dazu was ein?

Vielleicht muss ich im offenen Gespräch mit den Interviewpartner diskutieren und ihnen meine Haltung und Meinung zur Heimerziehung vorab kundtun.

Bin leider erst jetzt dazu gekommen Dir zu schreiben.

Diese Korrespondenz ist sehr hilfreich und bringt mich zum Nachdenken.

Mein Ansatz ist Wirklichkeit, denn es kommt von Wirkung und nicht Realität, wie die Amerikaner.

Seit Ende des mechanischen Denkens Newton leben wir seit Heisenbergs Unschärfetheorie in einer Zeit der Quantenmechanik deren Blick auf die Bewegung gerichtet ist und weniger auf der Materie.

Übertragen auf gesellschaftliche Sichtweisen heißt es die Wirklichkeit in ihren Wirkungszusammenhängen aufzuzeichnen. Das ist für den Film das schwierigste.

Gruß Armin

Von meinem iPad gesendet

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